| DIE PLASTIK |
| Da steht sie majestätisch nun ohne nur irgendwas zu tun. Die Menschen haben sie hier aufgestellt, weil der leere Platz nicht mehr gefällt; es haben unsere Politiker ohne Rücksicht auf die Kritiker uns beglückt mit dieser Plastik das Werk heißt: "Mensch bei der Gymnastik". So steht es auf dem Schild zu lesen, das beschreibt das dargestellte Wesen. Als Werkstoff hatte man Metall benützt (mit Lack gegen den Rost geschützt). Der Künstler hatte wohl nie Zeit und auch nicht die Gelegenheit zu sehen, wie man richtig turnt was mich, ganz frei gesagt, sehr wurmt! Aus Draht und Rohr, sehr rund gebogen, steht sie jetzt da, es wär' gelogen, würde ich sagen, sie gefällt obwohl - um's Steuergeld hier aufgestellt verlangen könnt der Bürger dies doch diese Plastik: sie ist mies! Nicht in Schönbrunn bei uns'ren Affen hat schöne Kunst die's Werk geschaffen; der Künstler nahm zur Inspiration vermutlich ein verbeultes Grammophon? Denn so, wie diese Rohre stehen, kann doch kein Mensch vernünftig gehen. Die Knochen müßten sehr elastisch, die Beweglichkeit fantastisch und Muskeln stark wie Seile sein, nimmt man mal diese Stellung ein! Noch nie sah' eine Taube ich herniederschweben noch nie 'nen Hund das Bein d'ran heben; die Kinder geh'n nur mit Geschrei und unter Strafdrohung vorbei. Das regt doch an zu kritisch denken was uns Politiker da schenken. Einen Vorschlag hätte ich zu machen, da könnten wir darüber lachen: der Kanzler soll die Plastik haben kann so die Augen an ihr laben in seinem Garten stellen wir sie nur: dann hat ER auch was von Kultur! |
| September 1986 |